Einige Jahre nach der Fertigstellung zurückkehren, zuhören, beobachten. Genau das verstehen wir unter Leistungsphase 10. Im Mai waren wir an der Aue-Mehde-Grundschule in Zeven zu Gast, die 2018 in Betrieb genommen wurde. Nicht für eine klassische Begehung, sondern für echtes Feedback aus dem Schulalltag.
Im Gespräch mit Schüler:innen der dritten und vierten Klassen wurde schnell deutlich, wie genau Kinder ihre Schule wahrnehmen. Sie sprechen über Wege, Farben, Größenverhältnisse, Lieblingsorte, Rückzugsräume, Toiletten, Schulhof und Aula. Offen, direkt und mit einem sehr klaren Gespür dafür, was ihnen gut tut. Besonders häufig genannt wurde der »Inselraum«, in dem die beiden Sozialpädagog:innen der Schule anzutreffen sind. Der ursprünglich im Verwaltungstrakt vorgesehene Raum wurde kurzerhand mit dem geplanten Archiv getauscht. So entstand direkt an der Aula ein Ort, der im Alltag nah an den Schüler:innen ist: für Gespräche, Konflikte, Ruhe und Sicherheit.
Der Inselraum. Da war ich immer, wenn ich viel Blödsinn gemacht habe. Und da hab ich dann mit Frau C. Uno gespielt.
Für uns ist das eine zentrale Erkenntnis: Nicht jede Nutzung lässt sich vorab planen. Manchmal zeigt sich erst im Betrieb, wo ein Raum wirklich gebraucht wird.
Sehr positiv wurden die einzelnen Jahrgangstrakte bewertet. Farben helfen den Kindern bei der Orientierung, auch Kita-Kinder finden sich bei Besuchen gut zurecht. Gleichzeitig entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit: ein eigener Bereich im großen Ganzen. Auch die den Klassen zugeordneten Toiletten funktionieren im Alltag gut und entlasten spürbar. Eine Lehrkraft bringt es auf den Punkt: »Die einzelnen Trakt-Toiletten, das entspannt total.«
Der Erlebniswald im Foyer wird anders genutzt als gedacht. Als Pausenort funktioniert er nur eingeschränkt, bei Veranstaltungen erschweren feststehende Möbelelemente die Bestuhlung. Gleichzeitig bleibt die Aula identitätsstiftend. Die Kinder mögen ihre Atmosphäre, ihre Inseln und die Möglichkeit, sie für Feste zu schmücken. Für uns liegt genau darin ein Spannungsfeld, aus dem wir lernen: Prägende Elemente schaffen Atmosphäre und Wiedererkennung. Dort, wo Gemeinschaft, Bewegung und Veranstaltungen stattfinden, brauchen sie zugleich ausreichend Flexibilität.
Auch die Galerie vor der großen Fensterfront zum Schulhof wird weniger genutzt als gedacht. Dafür werden Garderoben im Sommer zum Erzählkreis oder Arbeitsplatz, Nebenräume zu Orten für konzentriertes Arbeiten, der Schulhof bleibt ein zentraler Lieblingsort. Gleichzeitig wünschen sich die Kinder mehr Grün, zusätzliche Spielangebote, mehr Lernmöglichkeiten im Außenraum. Für kommende Projekte nehmen wir mit, Innen- und Außenräume noch stärker zusammenzudenken als erweiterten Lern- und Lebensraum.
Die Lerninseln sollten auch draußen sein.
Unser Rückbesuch zeigt: Eine Schule wächst nach ihrer Eröffnung mit den Menschen, die sie nutzen, weiter. Manche Ideen gehen auf, andere verändern sich, wieder andere werden erst im Alltag sichtbar. Genau deshalb ist Leistungsphase 10 für uns so wertvoll. Sie hilft uns, genau hinzuhören und aus gebauten Wachstumsräumen weiterzulernen.
Zum Projekt Rückbesuch der Grundschule am Moor